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EVZ: Wenn nicht jetzt, wann dann?

EVZ: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Am Dienstag beginnen die Playoffs-Viertelfinals mit Qualifikationssieger EV Zug als klarem Favoriten auf den Meistertitel.

Agentur
sda
vor 1 Monat in
Eishockey
Jan Kovar war der überragende Spieler in der Qualifikation
Jan Kovar war der überragende Spieler in der Qualifikation
KEYSTONE/URS FLUEELER

Die Zuger lechzen nach der zweiten Meistertrophäe nach 1998. Die Frage «wenn nicht jetzt, wann dann?» war selten angebrachter. Die Zentralschweizer dominierten die Qualifikation praktisch nach Belieben, stellten mit 40 Siegen in 52 Partien einen Punktrekord (119) auf, schossen am meisten Tore (197) und kassierten nach Lausanne (125) am zweitwenigsten Gegentreffer (128). Mit Jan Kovar, der 16 Tore und 47 Assists erzielte, haben sie den aktuell besten Spieler der Liga in ihren Reihen, und im Tor steht Leonardo Genoni, der mit fünf persönlichen Meistertiteln zu Genüge bewiesen hat, zu was er fähig ist, insbesondere wenn es zählt.

«Wir verkörpern die Einstellung der gesamten Organisation. Der EVZ ist hungrig nach dem Meistertitel, und das sind wir auch», sagt Verteidiger Livio Stadler im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Kovar und (Gregory) Hofmann verfügen über eine extreme Gewinnermentalität und haben uns damit angesteckt. Wir akzeptieren es nicht, wenn wir verlieren, sei es im Training, sei es beim Fussball vor der Partie, sei es im Spiel. Das fing schon im Sommertraining an.»

Ausserdem profitieren die Zuger seit einem Jahr vom neu entstandenen Spitzensportzentrum OYM in Cham, das seinesgleichen nicht nur in der Schweiz sucht. Zwar mussten sich die Spieler zunächst an den wissenschaftlichen Ansatz gewöhnen, die vielen Tests ermöglichten jedoch, sofort auf Defizite zu reagieren. Zu den Kernkompetenzen des OYM gehört auch die Ernährung. All dies waren wichtige Puzzleteile, die zum erfolgreichen Abschneiden in der Qualifikation geführt haben.

Jedem Zuger ist es aber selbstredend bewusst, dass nun eine neue Saison beginnt. Und die Aufgabe in den Viertelfinals ist durchaus delikat: Zwar ist der EVZ gegen die Berner auf dem Papier klarer Favorit, diese haben jedoch nach wie vor sehr viel Erfahrung im Team und sind daher gerade in dieser Phase der Saison sehr gefährlich. Davon können die Zuger ein Liedchen singen: Von bislang elf Playoff-Serien gegen den SCB gewannen sie bloss deren drei. Die letzten drei Duelle gingen allesamt verloren - 2017 und 2019 jeweils im Final.

Ausserdem kann es auch gefährlich sein, wenn man die Qualifikation dermassen dominiert und eigentlich nur verlieren kann. «Wir müssen es als Chance sehen», so Stadler. «Wir können stolz sein auf das Geleistete, haben extrem viel Selbstvertrauen getankt. Nun gilt es, all die positiven Gefühle aufzusaugen und unser Potenzial Spiel für Spiel abzurufen.»

Überraschungsteam Rapperswil-Jona Lakers

Die Berner erreichten ebenso über die erstmals durchgeführten Playoff-Achtelfinals die Viertelfinals wie die Rapperswil-Jona Lakers. Dass die St. Galler, die sich gegen Biel mit 2:0 Siegen durchgesetzt haben, erstmals seit 2008 in den Viertelfinals stehen, ist eine grosse Überraschung. In den ersten beiden Saisons seit dem Wiederaufstieg 2018 belegten sie abgeschlagen den letzten Platz.

«Wir sind nun umso motivierter, noch mehr zu erreichen», sagte Nando Eggenberger, mit zwölf Treffern die Schweizer Nummer 1 im Team der Rapperswiler. Der Druck liegt ganz klar auf Seiten von Lugano, das den ersten Meistertitel seit 2006 anstrebt. Die Bianconeri verdienten sich den 2. Platz nach der Regular Season mit einer starken zweiten Hälfte. Sie entschieden 20 der letzten 26 Spiele zu ihren Gunsten - zweimal reihten sie acht Siege aneinander. Eine der sechs Niederlagen kassierte Lugano gegen die Lakers, im Head-to-Head in der laufenden Meisterschaft steht es 3:3. Die Südtessiner sind also gewarnt.

Die ZSC Lions stiegen als Topfavorit in die Saison und zeigten zunächst warum: Von Ende Oktober bis vor Weihnachten feierten sie inklusive Cup elf Erfolge in Serie. Die Festtage durften sie als Leader feiern. Seither ist der Wurm drin, gelangen den Zürchern nie mehr als zwei Siege hintereinander, und dies auch nur dreimal.

Das führte dazu, dass der ZSC gar noch um die direkte Viertelfinal-Qualifikation bangen musste und diese erst am letzten Spieltag der regulären Saison sicherstellte. Klar hatten die Lions mit einigem Verletzungspech zu kämpfen, damit ist die mangelnde Konstanz aber nur zum Teil zu erklären. Gelingt es dem ZSC nicht, den Schalter wieder umzulegen, droht ein frühes Saisonende. Gegner Lausanne ist in den Playoffs einiges zuzutrauen.

Fribourg-Gottéron und Genève-Servette treffen zum vierten Mal in den Playoffs aufeinander, die ersten drei Mal setzten sich jeweils die Genfer durch, letztmals 2016. Nun geniesst zum ersten Mal Fribourg Heimvorteil.

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