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Das spricht für Nino Schurter

Das spricht für Nino Schurter

Nino Schurter gehört beim Mountainbikerennen in Tokio nicht zu den absoluten Topfavoriten. Dennoch spricht vieles für den Churer. Eine Einschätzung.

Rinaldo
Krättli
vor 2 Monaten in
Sport
Nino Schurter hat schon mehrfach bewiesen, dass er sein Potenzial am «Tag X» abrufen kann.
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Die Ränge 2, 7, 10 und 5 hat Nino Schurter an den bisherigen Weltcuprennen in dieser Saison herausgefahren. Damit gehört Schurter zum ersten Mal nicht zu den absoluten Topfavoriten an den Olympischen Sommerspielen.

Die bisherige Leistung der Saison ist wie in jeder anderen Sportart der wichtigste Gradmesser, wenn es darum geht, den grössten Favoriten für Olympia-Gold zu bestimmen. Das ist auch im Fall von Nino Schurter nicht anders. Und doch spricht vieles auch in Tokio wieder für den Dominator der letzten Jahre. Ein Sieg wäre zumindest keine Überraschung.

Die Strecke

Die Mountainbikestrecke in Tokio mit Blick auf den bekanntesten japanischen Berg Fuji gehört zu den technisch anspruchsvollsten Strecken, die Schurter an Olympischen Spielen je gefahren ist. 4,1 Kilometer ist sie lang, 150 Höhenmeter werden pro Runde erklommen. Die Anstiege sind steil. Sprünge, Drops und steinige Passagen müssen bewältigt werden. Dem guten Techniker Schurter kommen diese Bedingungen entgegen. Bei einem Testevent auf dieser Strecke Ende 2019 gewann Schurter das Rennen. Kein Wunder meint er: «Die Strecke liegt mir sehr gut.»

Schurter im Interview gegenüber TV Südostschweiz.

Das Klima

In Tokio herrschen im Hochsommer hohe Temperaturen um die 30 Grad oder darüber. «Das kommt mir auch sehr entgegen», meint Schurter. Zudem dürfte es trocken sein, die kurze Regenzeit soll laut Meteorologen Mitte Juli beendet sein.

Die akribische Vorbereitung

Nino Schurter weiss, wie er sich auf  den Tag X vorzubereiten hat. Mehrmals hat er das schon unter Beweis gestellt, so auch bei seiner letzten Olympiateilnahme in Rio de Janeiro 2016, wo der Druck deutlich höher war als dieses Mal. Damals konnte er die hohen Erwartungen erfüllen und gewann Gold.

Zehn Tage hat sich Schurter vor Olympia in der Toskana vorbereitet, wo er nicht nur streckentechnisch optimale Bedingungen vorfand. Auch konnte er sich an die heissen Temperaturen in Tokio gewöhnen. Bereits vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro absolvierte er eine ähnliche Vorbereitung. Schon früh flog Schurter zudem nach Tokio, denn er weiss, wie lange die optimale Anpassung des Körpers an die neue Zeitzone in Anspruch nimmt. «Pro Stunde Zeitdifferenz sollte man einen Tag einplanen», so Schurter.

Zur Vorbereitung gehört auch das ausgiebige Testen des neuen Bikes, auf das Schurter während dieser Saison umgestiegen ist und im Rennen in Leongang zum ersten Mal fuhr. Ob das neue Scott-Bike ein entscheidender Vorteil sein wird, lässt sich wohl erst nach dem Rennen beurteilen. Schurter hat das neue Material vor Olympia nochmals eingehend getestet und sagt: «Ich weiss, dass das Material passt.»

Nino Schurter zeigt Eindrücke seiner Vorbereitung in der Toskana:

Schurters Form

Nino Schurter kennt seinen Körper, weiss, was für ihn am besten funktioniert, um am Tag X körperlich und mental bereit zu sein. Die Resultate im Weltcup zeigen, dass er mit den Besten mithalten kann. «Es waren teilweise Kleinigkeiten, die den Unterschied ausgemacht haben», so Schurter. «Es hat dieses Jahr nicht zu hundert Prozent in den Resultaten gepasst. Gleichzeitig weiss ich, dass die Trainingsresultate gleich gut oder sogar besser sind als sonst.»

Druck liegt bei der Konkurrenz

Ein Vorteil dürfte für Schurter die geringere Erwartungshaltung sein im Vergleich zu anderen Olympiateilnahmen. «Das macht mich gelassener, als wenn ich der Topfavorit wäre», so Schurter. Kommt hinzu, dass Schurter bereits einen gesamten Olympia-Medaillensatz gewonnen hat. Auch das nimmt Druck weg. Andere Teilnehmer wie Mathias Flückiger, Tom Pidcock oder Mathieu van der Poel dürften mehr Druck verspüren, die vielleicht einmalige Chance einer Olympia-Goldmedaille zu realisieren.

Das Mountainbikerennen startet am Montag, 26. Juli, um 8 Uhr Schweizer Zeit.

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