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Bündner Studie: Sportartenwechsel bringen Erfolg

Bündner Studie: Sportartenwechsel bringen Erfolg

Sportartenwechsel in der Kindheit und Jugend sind für die spätere Sportkarriere häufig erfolgversprechend. Dies beweist eine neue Studie von Graubünden Sport.

Rinaldo
Krättli
vor 1 Monat in
Sport
Spätzünder: William Reais wechselte erst mit 16 Jahren in die Leichtathletik. Nun reist er zu seinen ersten Olympischen Spielen.
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Der Churer William Reais, einer der schnellsten Schweizer Sprinter über 200 Meter, ist der beste Beweis dafür, dass ein Sportartenwechsel in der Jugend kein Nachteil, sondern viel eher ein Vorteil ist. Erst mit 16 Jahren startete Reais mit der Leichtathletik. Zuvor spielte er Fussball beim FC Chur 97. Heute, sechs Jahre später, steht Reais vor seiner ersten Teilnahme an Olympischen Spielen. Reais startet für die Schweiz über 200 Meter in Tokio.

Reais ist keine Ausnahme, sondern viel eher die Regel, wie eine neue Studie von Graubünden Sport beweist. Studienautor Christoph Schmid, unter anderem ehemaliger Trainer von Laurien van der Graaff und Mittelstrecken-Weltmeister André Bucher, hat Schweizer Medaillengewinner zu ihren Trainings und Sportarten seit Beginn ihrer sportlichen Laufbahn befragt. Infrage kamen Sportlerinnen und Sportler, die in einer olympischen Disziplin eine Medaille an einem Grossanlass gewonnen haben.

Deutliche Erkenntnisse 

Die meisten Medaillengewinner haben bis zum zwölften Lebensjahr eine andere Sportart ausgeübt als jene, in der sie später erfolgreich waren oder heute noch sind. «Wie die Beispiele von fast allen der aktuell erfolgreichsten Schweizer Sport-Helden eindrücklich beweisen, war bei ihnen ein polysportiver Karrierestart die Basis für die späteren Erfolge», heisst es in der Studie. Und weiter: «Gemäss ihrer Selbsteinschätzung war just diese Basis ein ganz entscheidender Faktor für die weitere sportliche Entwicklung und die späteren Erfolge.»

Dem Trend, dass Vereine immer früher Talente an sich binden wollen, wird mit der Studie ein starkes Gegenargument geliefert. Es sei laut Studienautor unbestritten, dass eine rechtzeitige Talenterfassung im Hinblick auf mögliche Erfolge im Leistungssport immer entscheidender werde. Doch die Chance, dereinst ein Champion zu sein, werde nicht grösser, wenn Vereine und Verbände immer noch früher mit der Rekrutierung des Nachwuchses beginnen würden und ausschliesslich sportartenspezifische Trainings anbieten würden.

Swiss Olympic erkennt Potenzial

So kommt die Studie zu folgendem Schluss und einer Empfehlung: «Die Eltern und Jugendlichen sind angehalten, im Nachwuchsalter möglichst breit und vielseitig Sport zu treiben, stufengerecht und spielerisch zu trainieren. Die Verbände und ihre Vereine hingegen müssen entsprechende Angebote schaffen.»

Auch bei Swiss Olympic ist man sich der Wichtigkeit einer polysportiven Ausbildung bewusst. Ralph Stöckli, Chef de Mission von Swiss Olympic, meint im Interview gegenüber SRF: «Wenn ein Talent Fussball spielt, heisst es nicht, dass es in dieser Sportart bleibt. Wir versuchen, Synergien zu nutzen und Talenttransfers unter den Verbänden möglich zu machen, und wir versuchen, möglichst spät zu selektionieren. Zudem wollen wir eine Selektion machen, die nicht nur auf den aktuellen Wettkampfresultaten beruht, sondern auch eine Prognose über die Zukunft zulässt.»

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