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«Super Idee» mit Makeln

«Super Idee» mit Makeln

Das Architekturforum Obersee hat einen Stein ins Rollen gebracht: Die Vision eines Stadtbogens über die Gleise vom Bahnhof Rapperswil kommt im Netz gut an. So auch bei den meisten Parteien.

Fabio
Wyss
vor 2 Wochen in
Politik
Gefällt: Viele hoffen, dass die Vision einer Rapperswiler Fuss- und Velobrücke Realität wird.
Visualisierung Architekturforum Obersee

Rostiges Gestänge, Sprayereien und ein Betonbelag, der langsam abblättert. Die Passerelle über die Gleise beim Bahnhof Rapperswil ist wahrlich kein Hingucker. Die Vision vom Architekturforum Obersee (siehe Visualisierung und Ausgabe vom Samstag) stösst da schon mehr auf Wohlwollen: «Von mir aus könnte man nächstes Jahr zu bauen anfangen. Nicht 40 Jahre nur davon sprechen, ohne das etwas passiert», schreibt einer auf Facebook. Von einer «super Idee» spricht ein anderer.

Keine Augenweide: Bei der bisherigen Passerelle besteht Sanierungsbedarf.

Dutzende Reaktionen – meist positive – hat der «Linth-Zeitung»-Artikel im Netz ausgelöst. Kritiker befürchten dagegen hohe Kosten und ein ungelöstes Verkehrsproblem. Dezidiert anders sieht das Christian Heierli von Pro Velo Rapperswil‑Jona. Auf Anfrage sagt er: «Das Südquartier ist ganz klar zu wenig an den Rest der Stadt angebunden.» Er wohnte selber über mehrere Jahre südlich der Gleise und findet die Idee aus Sicht der Velofahrer «ganz interessant».

Parteien sagen: Ja, aber

Mehrheitlich positiv ist der Tenor auch bei den Ortsparteien, wie eine Umfrage ergibt: «Diese Vision werte ich als sehr positiv», sagt SP-Präsident Pablo Blöchlinger. Mögliche Probleme sehe er aber bei der Südrampe, welche vor diversen Wohnhäusern durchgeht. «Ob der Stadtbogen in dieser Form machbar ist, muss darum erst noch beurteilt werden.» Dass diese Fussgänger- und Velobrücke dereinst so zu stehen kommt, hofft Astrid Marquardt, Co-Präsidentin der Grünen. «Wir sind absolut für mehr Langsamverkehr und die Begrünung von Flächen.»

Begrüsst wird die Vision auch von CVP-Präsident Ivo Reichenbach. «Ob der Stadtbogen dereinst so schön aussehen wird, ist wünschenswert, aber wohl etwas unrealistisch», räumt er ein. Zum Beispiel würden die SBB wohl einen Sicherheitszaun verlangen. Zudem dürften private Anwohner Einwände haben. «Technisch besteht die Herausforderung, die Rampe aufgrund der Steigung behindertengerecht zu bauen», sagt der im Tiefbau tätige Ingenieur.

Ganz abgeneigt gegenüber dem Stadtbogen ist bei einer ersten Stellungnahme auch die SVP Rapperswil‑Jona nicht. Der tatsächliche Nutzen und die Kosten werden dereinst entscheidend sein, wie die Partei angesichts des möglichen Projekts meint. Der Vorstand begrüsse aber Bestrebungen und entsprechende visionäre Projekte, welche die Attraktivität der Stadt steigerten. «Allerdings vertritt der Vorstand die Ansicht, dass zurzeit andere Themen, wie insbesondere die Entlastung des Stadtzentrums vom Individualverkehr, ein dringlicheres Problem darstellen und klar prioritär behandelt werden müssen», sagt SVP-Präsidentin Jasmin Gähler.

Oder in den Worten eines Facebook-Nutzers, der sich vom Verkehr «extrem» geplagt fühlt: «Ihr würdet euch besser Gedanken machen, wie Rappi zu um- statt überfahren ist.» Das sieht bei GLP-Präsident Andreas Bisig diametral anders aus. Er fände es erfrischend, über eine Brücke anstatt einen Tunnel zu sprechen. «Eine attraktive Infrastruktur für den Langsamverkehr ist einer unendlichen Tunneldiskussion vorzuziehen.» Mit kleineren und grösseren Investitionen in den Langsamverkehr werde Schritt für Schritt das alte Verkehrsproblem gelöst.

Hürden für die Brücke

Dem Stadtbogen stehen noch viele Hürden im Weg. Klar ist aber, der Zeitpunkt für die Vision des Architekturforums kommt gelegen: «Es besteht bei der Querung der Geleise ohnehin Handlungsbedarf, da die durchgerostete Fussgängerbrücke sanierungsbedürftig ist», sagt Reichenbach von der CVP. Die SBB würden von sich aus als Ersatz kaum eine solche Brücke bauen. «Der Stadtrat hat nun aber eine ideale Ausgangslage, da diverse Themen mit den SBB bereinigt werden müssen.»

Die langfristige Arealgestaltung beim Bahnhof Rapperswil ist eines dieser Themen. Der Stadtbogen könnte dort zu einem Leuchtturm werden. Und einen jetzt noch bestehenden Unort ablösen.

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