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UN: Mehr als 350 000 Tote in zehn Jahren Syrienkrieg

UN: Mehr als 350 000 Tote in zehn Jahren Syrienkrieg

Den Vereinten Nationen zufolge sind in dem seit zehn Jahren andauernden Konflikt in Syrien mehr als 350 000 Menschen getötet worden.

Agentur
sda
vor 1 Monat in
Politik
Kinder laufen an einem zerstörten Haus in Idlib vorbei, nachdem sie ihre Schule zu Beginn des Schuljahres verlassen haben. Foto: Anas Alkharboutli/dpa
Kinder laufen an einem zerstörten Haus in Idlib vorbei, nachdem sie ihre Schule zu Beginn des Schuljahres verlassen haben. Foto: Anas Alkharboutli/dpa
Keystone/dpa/Anas Alkharboutli

Die Zahl sei lediglich eine überprüfbare Mindestgrösse und nicht vollständig, sagte die UN-Menschenrechtschefin Michelle Bachelet am Freitag in Genf.

«Unsere Zahlen umfassen nur die Personen, die mit vollem Namen identifizierbar sind, ein Todesdatum haben und in einem identifizierten Gouvernement gestorben sind.»

Analysen der UN wiesen darauf hin, dass die tatsächliche Anzahl der Getöteten zwischen März 2011 und März 2021 eigentlich höher liege. In vielen Fällen fehlten jedoch Informationen oder überhaupt eine Dokumentation der Todesfälle.

UN-Angaben zufolge sind in dem Konflikt bislang auch mehr als 27 000 Kinder umgekommen. Die meisten Menschen wurden demnach in Aleppo getötet. «Die Ungerechtigkeit und der Horror jedes einzelnen dieser Todesfälle sollten uns zum Handeln zwingen», sagte Bachelet.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte zählte vor einem halben Jahr 388 000 Todesopfer, darunter 117 000 Zivilisten.

Im März 2011 waren in Syrien Proteste gegen die Führung von Präsident Baschar al-Assad gewaltsam niedergeschlagen worden. Der Konflikt entwickelte sich zu einem Bürgerkrieg, in den viele ausländische Mächte eingriffen. Mit Hilfe Russlands und des Irans konnte die Regierung nach anfänglichem Gebietsverlust wieder grosse Teile Syriens einnehmen. Im Osten herrschen Kurden mit US-Unterstützung, in Teilen Nordsyriens türkische Truppen und islamistische Milizen. Laut UN kontrolliert Assad derzeit rund 70 Prozent des Landes und 40 Prozent der Bevölkerung. Nach einer umstrittenen Wahl wurde er im Juli für eine vierte Amtszeit vereidigt.

UN-Menschenrechtsbeobachter sehen derzeit keine Hoffnung auf Aussöhnung in dem Bürgerkriegsland. Regierungskräfte würden Menschen im Land willkürlich inhaftieren und foltern, hiess es kürzlich von der Untersuchungskommission für Syrien. Es gebe einen «Krieg gegen die Zivilbevölkerung».

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Angesichts der drohenden Gefahren auch aus anderen Regionen der Welt vom Islamismus über ethnische Konflikte bis hin zur Flüchtlingsproblematik ist der Westen gut beraten, weder die USA noch Russland aussen vor zu lassen. Priorität muss haben, diese Konflikte möglichst wirksam gar nicht erst eskalieren zu lassen bzw. zumindest regional so zu beschränken, dass die Folgen nicht nach Europa, Amerika oder Russland überschwappen. Insofern ist der Fortbestand des Regimes von B. al-Assad zwar nicht die bestmögliche, derzeit aber immer noch die beste aller schlechten Lösungen.