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«Informatik und Afrika, das sind meine Leidenschaften»

«Informatik und Afrika, das sind meine Leidenschaften»

Der Verein Informatik für Afrika fördert seit 15 Jahren die Bildung in Afrika, vor allem mit technischer Ausrüstung. Rosina Hug setzt sich mit viel Herzblut für die Projekte ein.

Simone
Zwinggi
vor 2 Monaten in
Aus dem Leben

Die Beziehung von Rosina Hug zu Afrika ist geprägt von Extremen: Da ist einerseits die grosse Faszination für den Kontinent, auf dem sie vor vielen Jahren ihren Schweizer Mann geheiratet hatte, wo sie von den Menschen grosse Herzlichkeit und Dankbarkeit spüren darf. Aber da ist auch die heisse, feuchte Luft, die sie beim Verlassen des Flugzeuges empfängt, da sind die schlechten, holprigen Strassen, die das Reisen anstrengend machen, die dürftigen Unterkünfte und die bis zu 14-stündigen, mit Sitzungsterminen und Projektbesuchen vollbepackten Tage, die sie dort erwarten. «Am Schluss eines Afrika-Auftenhaltes bin ich meistens erschöpft und freue mich auf die Rückkehr in die Schweiz», sagt die 68-jährige Hug.

Im Wohnzimmer von Hug sorgt das in Gelbtönen gehaltene Bild einer afrikanischen Steppe für einen Hauch von Afrika. Auch Figuren aus Holz und Hugs breiter Armreif erinnern an den Kontinent, mit dem sie sich seit 20 Jahren intensiv beschäftigt. «Die Projekte, die ich in Afrika betreue, sind meine Leidenschaft», sagt Hug. Die Stunden, die sie auf ehrenamtlicher Basis dafür aufwendet: ungezählt.

«Manchmal», sagt Hug an diesem trüben Sommertag, «frage ich mich selbst: ‘Warum tue ich mir das alles an?’» Wo sie doch jetzt, seit ihrer Pensionierung, ihre freie Zeit mit ihren sechs Enkelsöhnen oder auf dem Tennisplatz verbringen könnte. Doch diese Zweifel sind meist schnell wieder aus dem Weg geräumt. Zu sehr ist Hug verbunden mit all den Projekten, die sie mittlerweile umsetzen durfte, und den Erfolgen, die sie gemeinsam mit ihrem Team erreichte. 47 Schulen wurden seit der Vereinsgründung vor 15 Jahren mit Computern ausgerüstet, rund 30’000 Schülerinnen und Schüler konnten dadurch digitale Arbeitsprozesse erlernen.

Angefangen hatte alles bei Hugs damaliger Arbeit als Informatiklehrerin an der KV-Schule in Chur. «Nach vier Jahren wurden unsere Computer jeweils ausgewechselt», erinnert sich Hug. «Obwohl sie noch funktionstüchtig waren. Aber sie mussten der aktuellsten Technik entsprechen.» Etwas, das nicht zu Hugs Vorstellungen von Nachhaltigkeit entsprach.

Gleichzeitig war da ihre mittlere von drei Töchtern, die nach der Matura für eine Weile nach Afrika reisen wollte. «Wir überlegten gemeinsam, wo sie hingehen könnte, und erinnerten uns an den nigerianischen Aushilfspfarrer, der für eine gewisse Zeit in Untervaz war.» Als Hug bei ihren Recherchen herausfand, dass eben dieser Pfarrer davon träumte, in seiner Heimat Informatikkurse anzubieten, machte es Klick. «Das wäre doch ein Thema für die Abschlussarbeit meiner Schülerinnen und Schüler: Afrikanische Schulzimmer mit Churer Computern ausrüsten.» Das war im Schuljahr 2001/02. 

Was folgte, war nicht nur die Umsetzung dieser Idee, sondern eine nachhaltige Betreuung des Projektes. «Mich interessierte, ob ‘unsere’ Computer auch in den folgenden Jahren in Gebrauch sind, ob unsere Arbeit nachhaltigen Nutzen brachte», erzählt Hug. Jeweils in den Sommerferien reiste sie ins nigerianische Dorf Mmaku. Und war erfreut darüber, dass die Computer fleissig genutzt wurden. «Schliesslich erfuhren auch andere Schulen von unserer Unterstützung und baten um unsere Hilfe.» Alleine, musste Hug feststellen, würde sie diesen Anfragen nicht mehr gerecht werden können. Im Jahr 2006 folgte die Gründung des Vereins Informatik für Afrika, dem heute fünf Vorstandsmitglieder und rund 100 Vereinsmitglieder angehören. 

Der Einsatz des Vereins weitete sich von Nigeria auf Ghana und Kamerun aus, die Unterstützung umfasst heute nicht nur die Schenkung von Computern, sondern neben anderem auch finanzielle Hilfe beim Bau von Schulhäusern und Solaranlagen. Eines der neusten Projekte: der neu konzipierte All-in-One Low-Power-Computer mit einem Rahmen aus afrikanischem Holz.

Mit ihrem grossen Einsatz möchte Hug vor allem eines erreichen: Den Menschen in Afrika zu besseren Bildungsmöglichkeiten verhelfen. «Und ohne Computer geht das auch in Afrika nicht mehr.» Dass die Art und Weise, wie Afrikanerinnen und Afrikaner Herausforderungen angehen, nicht nach einem «Schweizer Schema» verläuft, ist Hug bewusst. «In Afrika habe ich vor allem etwas gelernt: Um vorwärtszukommen, tut man gut daran, sich immer wieder von den eigenen Vorstellungen zu lösen. Das afrikanische Denken verläuft nach eigenem Muster.»

Wir haben in der Vergangenheit schon mal über das Bündner Projekt berichtet:

Wer sich vertiefter zu den Projekten von Informatik für Afrika informieren möchte, kann das hier tun: www.informatik-afrika.net

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