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Feuerwehrleute greifen in Mühlehorn zur Schaufel

Feuerwehrleute greifen in Mühlehorn zur Schaufel

Durch die Räumung in Mühlehorn landet der Schnee auf dem Haus von Roswitha und Christian Zimmermann. So viel, dass Ungemach droht. Die Feuerwehr Glarus Nord zeigt jedoch Muskelkraft.

Paul
Hösli
vor 9 Monaten in
Aus dem Leben
Eindrücklich: Die Schneemassen von Mühlehorn türmen sich vor dem Küchenfenster von Roswitha Zimmermann.
PRESSEBILD

Die Dankbarkeit von Roswitha Zimmermann in einem Facebook-Post in der Gruppe «Du bisch usem Glarnerland, wenn …» ist deutlich herauszulesen. «Ich bin so glücklich über die Hilfe», schreibt die Mühlehornerin im Sozialen Medium. «Ihr seid toll», ergänzt sie. Man solle nicht immer schimpfen, sondern auch mal etwas Gutes sagen, schreibt sie unter anderem.

Aber wem genau gebührt der grosse Dank? Die ergiebigen Schneefälle der letzten Woche haben dem Strassenunterhaltsdienst im ganzen Kanton lange Nächte und viel Arbeit beschert. Schneeräumen im grossen Stil war angesagt. Durch die Räumung der Strassen in Mühlehorn landete ein grosser Haufen der weissen Pracht auf dem Haus von Roswitha und Christian Zimmermann, wie ein Foto aus der Küche eindrücklich zeigt. «Ich hatte die Befürchtung, dass das Fenster den Massen nicht standhalten könnte und der Schnee in der Küche landet», so Zimmermann. Das Haus befindet sich unterhalb der alten Kerenzerbergstrasse und ist in den Fels gebaut.

Gefahr von Schaden bestand

«Selber wurden wir mit den Massen nicht fertig, der Schnee war zudem wie Beton», erzählt Roswitha Zimmermann. Ausserdem sei er an einer blöden Stelle gelegen, führt sie weiter aus. «Darunter ist der Heizraum und wir befürchteten, dass Wasser reinlaufen könnte und dadurch ein Schaden entsteht», sagt die gebürtige Süddeutsche, welche seit 27 Jahren in Mühlehorn lebt.

So schreibt sie dem Kanton und der Gemeinde eine E-Mail. «Wir sind keine Leute, die motzen und der Inhalt war höflich formuliert. Ich wollte lediglich darauf hinweisen und fragen, was man unternehmen könnte», so Zimmermann. Der Unterhalt auf dem Kerenzerberg sei nachvollziehbarerweise aufgrund der riesigen Schneemassen überfordert gewesen, daher griff die Mitinhaberin der Hammerschiede zu diesem Mittel.

Zu ihrer eigenen Überraschung standen plötzlich zwei Feuerwehrleute vor der Haustüre, um die Lage zu beurteilen. «Zu siebt haben diese dann den grossen Berg Schnee weggeschaufelt. Die Feuerwehr Glarus Nord ist toll und ehrlich gesagt, ich hätte das nicht erwartet», sagt Roswitha Zimmermann und lacht vor Glück.

Ein unüblicher Einsatz

Der Einsatz am Montag war für die Kompanie Kerenzen der Feuerwehr Glarus Nord alles andere als üblich. Insgesamt zwei Stunden schaufelten und pickelten die sieben Feuerwehrleute, bis das Haus von der üppigen Schneelast befreit war. «Eine sehr strenge Arbeit», so Romano Schleucher, Kommandant der Feuerwehr Glarus Nord. Aber, «es war ein Notfall, daher hat die Feuerwehr diese Arbeit übernommen. Wenn der Schnee geschmolzen oder das Fenster eingedrückt hätte, wären wir sowieso aufgeboten worden, um dann das Wasser abzupumpen», erklärt der Niederurner.

Man habe sich für diesen Einsatz entschieden, damit der Schaden vorgängig abgewendet werden konnte. «Es ist nicht so, dass man einfach der Feuerwehr anrufen kann und diese dann vorbei kommt, um etwas freizuschaufeln», stellt Schleucher klar.

«Es ist schön, wenn wir ein Problem lösen und dadurch den Leuten eine Freude bereiten können», so Schleucher zum Facebook-Eintrag von Roswitha Zimmermann. «Manche schicken uns Kärtchen oder bedanken sich wie sie auf digitalem Weg», ergänzt er.

Einfach Danke sagen

Die Anfrage für diesen Artikel war Roswitha Zimmermann beinahe unangenehm. «Mit dem Eintrag wollte ich bloss Danke sagen. Dass es gleich ein solches Echo auslöst, überrascht mich sehr.» Es würde ja schliesslich viel Schlimmeres geben, als das, was ihr widerfahren sei. Ihr Mann Christian sei jedoch auch 20 Jahre bei der freiwilligen Feuerwehr gewesen. «Ich fand daher, dass diese tolle Geste der Feuerwehrleute honoriert werden muss und wollte mich so erkenntlich zeigen», sagt Zimmermann.

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